Ausstellung vom 3. bis 15. Juli 2011 in der Unteren Rathaushalle, Bremen

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Louise Ebert (1873 – 1955, Niedersachsen)

Gewerkschaftlich organisierte Aufsteigerin

Von Melchiorshausen ins Reichspräsidentenpalais

(14 Patenschaften von 15)

 

 

Film-Aufnahme und Schnitt: Monika B. Beyer

 

Louise Ebert war als Frau von Friedrich Ebert, dem ersten demokratisch gewählten Staatsoberhaupt auf deutschem Boden, die direkte Nachfolgerin von Kaiserin Auguste Viktoria. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend hat sie sich - entgegen aller Anfeindungen politischer Gegner - in der Rolle der „First Lady“ großen Respekt verschafft.

Die zwanzigjährige Louise war Kistenkleberin in einer Bremer Tabakfabrik und in der Gewerkschaftsbewegung aktiv, als sie 1893 auf einer Gewerkschaftsversammlung der Textilarbeiterinnen den sozialdemokratischen Agitatoren Friedrich Ebert kennen lernte. Mit ihm teilte sie lebenslang die gleichen politischen Ziele.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde Friedrich Ebert zum ersten Reichspräsidenten gewählt. Als erste Frau im Staate musste Louise Ebert nun einen neuen, einer Republik angemessenen Repräsentationsstil entwickeln. Unter scharfer Beobachtung der gehobenen Kreise, die den kaiserlichen Prunk kannten, unbeirrt von den Attacken der Republikgegner, setzte sie ihre eigenen Maßstäbe.

Louise Ebert war Mitbegründerin der AWO (1919) und übte die Schirmherrschaft über die „Deutsche Kinderhilfe“ aus. Mit ihrem Schutz für soziale Einrichtungen begründete sie eine Tradition, der bis heute die Ehefrauen der Bundespräsidenten folgen. Nach dem Tod von Friedrich Ebert blieb Louise Ebert sozial engagiert und nutzte ihre Bekanntheit als Präsidentenwitwe, um sozialen Anliegen Nachdruck zu verleihen.

Beate Borkowski

[Die Langfassung dieses Textes finden Sie im Katalog, der zur Ausstellung im KellnerVerlag erschienen ist:

ISBN 978-3-939928-60-7]