Ausstellung vom 3. bis 15. Juli 2011 in der Unteren Rathaushalle, Bremen

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Annemarie Mevissen (1914 – 2006, Bremen)

„Der einzige Mann im Senat“

Erste stellvertretende Ministerpräsidentin eines Bundeslandes

(20 Patenschaften)

 

 

Film-Aufnahme und Schnitt: Monika B. Beyer

 

Annemarie Mevissen hat in ihrer Arbeit als Jugend- und Sozialsenatorin Maßstäbe gesetzt, die ihr weit über Bremen hinaus Anerkennung verschafften. Zunächst galt es, durch vielfältige Maßnahmen der durch Krieg und Nachkriegswirren entwurzelten Jugend wieder eine Perspektive zu geben. Später setzte sie sowohl im Bereich der Vorschulpädagogik als auch in der Politik für ältere und behinderte Menschen baulich und inhaltlich neue Akzente.

Geprägt durch ihr sozialdemokratisches Elternhaus, war sie mit Politik früh in Berührung gekommen. 1934 machte sie Abitur, durfte wegen ihres regimekritischen Vaters nicht studieren und lernte Buchhändlerin. 1947 wurde sie jüngste Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft, wo sie sich leidenschaftlich für eine demokratische Schulreform einsetzte. Inzwischen verheiratet und Mutter zweier Kinder, musste sie es schaffen, Beruf und Familie zu vereinbaren. Sie sah zwar die Probleme, ermunterte aber stets andere Ehefrauen und Mütter, nicht auf eigene Berufstätigkeit zu verzichten.

1952 trat sie das Amt  eines „Senators für das Jugendwesen“ an; 1958/59 kamen Sport und Wohlfahrt hinzu. Dreiundzwanzig Jahre lang saß sie als einzige Frau im Senat. Sie setzte sich durch, gewann allseitige Anerkennung und wurde 1967 zur Bürgermeisterin, also zur Stellvertreterin des Präsidenten des Senats, gewählt und damit zum ersten weiblichen stellvertretenden  Ministerpräsidenten eines Bundeslandes.

Im Januar 1968 erregte Frau Bürgermeister bundesweit Aufsehen durch ihr beherztes Auftreten vor einer großen Menge demonstrierender Schüler und Studenten. Die ihr dafür verliehene Bezeichnung „der einzige Mann im Senat“ gefiel ihr nicht - ihren männlichen Kollegen auch nicht.

Nach ihrem Rückzug aus der Politik 1975 wurden  Malen, Zeichnen und Schreiben zu wichtigen Bestandteilen ihres Lebens. Im hohen Alter von 91 Jahren verlieh ihr der Senat im Oktober 2005 die Ehrenbürgerwürde.    

Prof. Dr. Renate Meyer-Braun

[Die Langfassung dieses Textes finden Sie im Katalog, der zur Ausstellung im KellnerVerlag erschienen ist:

ISBN 978-3-939928-60-7]